Buongiorno mit Olive

Auf dem Nachhauseweg ein Stück Pizza. Antonio (Name frei erfunden) begrüsst mich mit einem überschwenglichen Buongiorno und fragt was es sein darf. Ich wähle ein Stück Pizza mit Schinken-Oliven-Artischocken. Primäres Auswahlkriterium: Oliven! Gut merken, ich komme darauf zurück. Sekundäres Auswahlkriterium: Artischocken. Ich bezahle und setze mich auf den Stehhocker vor dem Tresen. Antonio hat soviel zu tun, er kommt gar nicht dazu Geld auszugeben. Behauptet er.

Antonio kocht. Im Pizzaofen steht noch eine Pfanne mit Pasta. Er holt sie raus und wirft rasch Mozzarella nach. Mitarbeiter E. mahlt Kaffeebohnen oder reinigt die Maschine. Jedenfalls hört es sich so an. Es ist laut. Die Pasta ist fertig. Fast! Antonio rührt darin herum, prüft die Viskosität der Käsesoßenstreifen. Sie werden geschätzt 80cm lang. Das geht wohl klar. Mitarbeiter E. wird aufgefordert noch Parmigiano hinzuzufügen. Er schüttet den geriebenen Hartkäse aus der Tüte in die Pfanne. Etwas zuviel auf einmal. Antonio ist empört. Wie er nur so großzügig mit seinem Parmigiano umgehen könne!? Will er ihn arm machen? E. grinst. Sicher nicht der erste Spass heute und vermutlich nicht der Letzte.

Mein Pizzastück ist fertig, ich gehe zum Tresen. Antonio ballert mit dem Rollmesser darüber und kickt dabei die eine verbliebene Olive herunter. Wir gucken beide etwas wehmütig auf die kahle mit Käse überzogene Landschaft aus Schinken- und Artischockenstücken.
Das da normalerweise eine Olive hingehört, hat er auch gemerkt. Beherzt greift er in eine der Edelstahlvorratsschüsseln hinter sich und… greift ins Leere. Keine Oliven mehr. Sein Blick schweift kurz und ratlos über den Tresen voller Pizza-Auslagen. Dann nimmt er von einer Pizza eine Olive runter und legt sie auf mein Stück – genau in die Mitte und guckt mich freudestrahlend an. Okay, passt schon!

Ich setze mich wieder auf meinen Platz, zipfele die vorgeschnittenen Stücken auseinander und fange an, genüßlich an Einem zu knabbern. Mmmmh. Es gibt ja Pizza und es gibt Piiizzzzzzzaaaaaaaahhh! Das hier ist Letztere.

Nebenbei beobachte ich Antonio und die 2 Jungs die ihm zuarbeiten. Antonio hat einen Gesichtsausdruck wie Robert De Niro. Eine Mischung aus einem schiefen, fragenden „Höööö?“, einem gleichzeitigen „Mir doch egal was du von mir willst!“ und einem versöhnlichen „Wir sind Kumpels!“. Die Pizza schmeckt vorzüglich.

Zwei blonde Frauen betreten den Laden. Die eine begrüsst Antonio und stellt ihre Freundin vor. Sie unterhalten sich auf Italienisch. Buongiorno-larifari-tutto-trabajo-ferrari-esta-mucho-Ramazotti. Ich verstehe kein Wort, aber es klingt sehr schön.

Antonio, der eben noch wie ein Iltis im Käfig durch den Laden gefegt ist… – hat – jetzt – Zeit! Natürlich. Attraktive Blondinen sind wichtiger als Geld einzunehmen, auszugeben oder eventuell die Oliven aufzufüllen. Da muss Mann Prioritäten setzen. Ich kann das verstehen.
Seine de-niroesquen Mimik überzieht jetzt noch ein weiterer Ausdruck. So, als würde er vor seiner frisch gewaschenen Alfa Romeo Giulia stehen oder vor zwei frisch gewaschenen Blondinen.

Vor mir liegt jetzt ein leider leerer, bekrümelter Pappteller auf einer Illustrierten. Mit dem satten Gefühl im Bauch und Pizzageschmack im Mund gehe ich weiter nach Hause.

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Eine Antwort zu Buongiorno mit Olive

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