Tee-Gespräch

Neulich im Café einer Bäckereikette in der bunt-verhexten Stadt im Harz

Mit einem Glas Tee und einem Stück Kuchen auf dem Tablett verziehe ich mich in die hinterste Ecke, von der aus ich durch ein Fenster die vorbeilaufenden Leute auf der Strasse sehe.

Am Tisch neben mir sitzt ein Mann – vielleicht Anfang 60 – und zieht hochkonzentriert rote Striche auf dem Cover eines Magazins. Ein Typ wie Taylor
Doose von den Gilmore Girls. Und nein, ich denke es war nicht der Bürgermeister.

Als ich meinen Mp3-Player rauskrame, um mich ein Weilchen auszuklinken, treffen sich unsere Blicke. Er fragt, ob der Tee wohl zu heiss sei und deutet auf mein an den hinteren Rand des Tisches geschobenes Glas.
„Nö, nö, der ist gut.“ antworte ich, um mich meinem Skizzenbuch zu widmen. Er erzählt aber weiter, er hätte da ein tolles Angebot gefunden von so einer Teesorte. 20 Beutel für nur 69 Cent! „Aha.“ antworte ich ihm, diesem überaus kostenbewussten Angebot beipflichtend. Das wäre Assam-Tee!
Nochmal raffe ich all meine Softskills aus der Sektion Small-Talk zusammen und antworte… „Mmh Hmm.“ Darauf klärt er mich über die Herkunft des Tees auf. Assuam. Wie der Assuam-Staudamm!

Ich habe einen gut ausgebildeten Muskel am Kopf, mit dem ich meine linke Augenbraue hochziehen kann, ungefähr so: 😉 mit der Rechten geht das auch, aber der Muskel ist wohl nicht so gut trainiert. Das muss was mit den Gehirnhälften zu tun haben. Vermutlich ist es genau die Seite, welche auch die phonetischen Mehrdeutigkeiten auseinander klamüsert. Übersetzt lautet dieses körpersprachliche Signal dann ungefähr „Hä!?“.

Jedenfalls… „Assam! … ‚das in Indien.“ antworte ich trocken und deutlich betont, aber sehr höflich – immerhin bin ich auch nicht gerade ein weit gereistes Geographie-Ass.
„Indien?“ fragt er mich verwundert. „Aber der Ceylon-Tee käme schon aus Sri-Lanka?“ will er jetzt noch wissen. „Ja, das ist Sri-Lanka“ sage ich.

Er packt seine Sachen zusammen und sagt ein bisschen entsetzt „Hmm, man weiss viel zu wenig von der Welt.“

Ich nicke.

Vielleicht sollte ich mir mal vor Ort anschauen, wo all das gehäckselt, gerollte, fermentierte, rote, grüne, braune, schwarze Zeug so herkommt, dass ich hier ständig mit heißem Wasser übergieße und dann trinke.

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6 Gedanken zu „Tee-Gespräch

        • Stimmt, „3 Feet Tall“ von der Band I AM KLOOT.
          Da gibt es ein paar Zeilen aus dem Songtext, die mich beeindruckt haben:

          „Loneliness,
          It’s got your name and your new address
          When it walks in the place is a mess
          And it drinks and never leaves

          What’s it for?
          Stood in the clothes that you once wore
          Stood up from the night before
          Do you dream and never sleep?“

  1. Wenn Du den Kollegen jemals wiedersiehst, habe ich einen Tipps für ihn. In Wilmersdorf gibt es einen Türkenladen. Die verkaufen den Tee kiloweise für ein paar Euro. Das toppt preislich alles, was ich bislang gesehen habe.

    > Vielleicht sollte ich mir mal vor Ort anschauen

    Da kommt sehr darauf an, ob Du auch künftig Tee trinken willst. Wenn ja -> lass es 😉

    • > Wenn Du den Kollegen jemals wiedersiehst

      Ich richte es ihm aus 😉 Oder vielleicht triffst Du ihn ja selbst.

      > Da kommt sehr darauf an, ob Du auch künftig Tee trinken willst. Wenn ja -> lass es

      Kleiner Realitätsabgleich ist immer gut!

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