Entfremdung und Begegnung

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Es gibt dieses, wie ich finde, sehr schöne Zitat von Virginia Satir, das ich mir immer mal wieder vornehme und in Erinnerung rufe. Sie sagte:

„Ich glaube daran, dass das größte Geschenk, das ich von jemandem empfangen kann, ist, gesehen, gehört, verstanden und berührt zu werden.

Das größte Geschenk, das ich geben kann, ist, den anderen zu sehen, zu hören, zu verstehen und zu berühren.

Wenn dies geschieht, entsteht Kontakt.“

Das was sie beschreibt verbinde ich am ehesten mit einem Zustand oder der Einstellung „Alles kann gesagt werden.“ und darauf „Alles wurde gehört.“, was am Ende zu einer sehr angenehmen Gelöstheit, einem Zustand von besonderer innerer und äußerer Freiheit führt. Leider wird dieser Zustand selten erreicht. Es braucht Präsenz, Offenheit und Vertrauen.

Man kann viel sagen und lange an einander vorbeireden. Menschen verändern sich und entwickeln sich. Manchmal ist Vertrauen, Offenheit und Präsenz nicht möglich oder eine Begegnung wird zum Minesweeper-Spiel… jeder nächste Schritt könnte auf einer Tretmine landen. Versuche ich um die Bomben drumherum zu manövrieren oder gehe ich den Weg gerade aus, der vorgesehen ist?

Manchmal bin ich in einer gewissen Weise über-höflich zu Menschen, weil ich ihre Bomben wahrnehme und versuche sie nicht hochgehen zu lassen. Das ist für mein Verständnis eigentlich auch schon ein wenig unehrlich und für mich etwas unangenehm. Was gesagt werden muß, sollte gesagt werden. Aber ich versuche zumindest mit mir selbst ganz ehrlich zu sein. Diese Ehrlichkeit führt in der Folge zu gelegentlich radikalen aber kongruenten und stimmigen Entscheidungen.

Entfremdung im Aussen, als Folge von dem was ich hier beschrieben habe, kann aber auch eine positive Richtung haben: die Begegnung mit sich selbst. Denn all das was ich mir vom Gegenüber wünsche, muss ich ja zunächst einmal selbst erfüllen. Ich muss mir zuhören, ich muss mich verstehen und ich muss ehrlich mit mir selbst sein.
„Wenn dies geschieht, entsteht Kontakt.“

(Virginia Satir war eine Pionierin im Bereich der therapeutischen Arbeit mit Familien und Familiensystemen.)

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In Antwort auf Elviras Beitrag: Entfremdung.

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5 Antworten zu Entfremdung und Begegnung

  1. Elvira schreibt:

    Wer je behauptet hat, dass soziale Netzwerke – und das Schreiben eines Blogs sowie das Lesen anderer Blogs geschieht genau in solch einem – keinen wirklichen Austausch von Gedanken ermöglicht, hat einfach nicht das richtige Netzwerk gefunden!
    Danke für Deine Antwort!

  2. Ulli schreibt:

    du schreibst: die Begegnung mit sich selbst. Denn all das was ich mir vom Gegenüber wünsche, muss ich ja zunächst einmal selbst erfüllen. Ich muss mir zuhören, ich muss mich verstehen und ich muss ehrlich mit mir selbst sein.
    “Wenn dies geschieht, entsteht Kontakt.” und berührst mich damit tief- danke und herzliche Grüsse Ulli

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