Apples erzwungene Perfektion

The Myth of Apple’s Great Design

Steve Jobs’s design philosophy was fascist more than it was exacting. The man was not a demigod of design, but its dictator. He made things get made the way he wanted them made, and his users appreciated his definitiveness and lack of compromise. They mistook those conceits for virtues in the objects themselves.“ — Ian Bogost / theatlantic.com

Oh mein Gott, heilige Scheiße!!! Blasphemie! Hat der Typ da allen Ernstes den Messias, den Guru, die Ikone, Mister iApple himself beleidigt? Steve Jobs ein Diktator? Seine Design-Philosophie sei fa… fa… faschistisch? Junge, junge. Phh…. finde ich aber irgendwie auch… ein bißchen 🙂

Was der Autor vom Atlantic da beschreibt ist meiner Ansicht nach schlicht PerfektionsZWANG. Nun kannte ich den Herrn Jobs nicht persönlich, aber es passt zu dem Bild aus seinen öffentlichen Auftritten, den Biografien, usw… und auch zu seiner am Ende tödlichen Erkrankung.

Selten in meinem Leben sass ich vor einem Gerät und dachte „Ach, wäre das doch nur halb so groß.“ oder „Ach, wäre da doch nur ein USB-Anschluss oder ein Floppy-Laufwerk weniger drin“ oder „Ach, würde das Display doch nur noch etwas mehr spiegeln.“ NIE.

Ich wette Bill Gates hatte kein Problem mit Perfektionszwang, denn Windows war nie perfekt und trotzdem als Werkzeug ab einem bestimmten Reifegrad absolut ausreichend.

Wie Dinge gebaut und gestaltet werden, ergibt je nach dem sehr viel oder auch überhaupt gar keinen Sinn, wenn man sie entweder als Werkzeug oder als Status-/Konsumobjekt betrachtet. Natürlich kann auch ein iKonsum-Gerät immer noch als kreatives Werkzeug verwendet werden. Es geht eher um das originäre Motiv und das Selbstverständnis des Unternehmens.

Als Apple noch ein Underdog war und noch Werkzeuge für kreative Menschen hergestellt hat, mochte ich die Firma mit dem Obst sehr, konnte mir als Schüler aber ihre Produkte nicht leisten. Später als ich etwas Geld übrig hatte, kaufte ich mir dann mal gebraucht ein „Newton Messagepad“. Das war nicht unbedingt ein großer Erfolg für Apple. Für die Zeit in der es entwickelt wurde und rauskam, war es aber genial. Handschriftenerkennung auf einem Handheld von 1994!!!

Nun ist Apple kein Underdog mehr und hat seine einstmals bunte Seele schon lange der rigorosen Versklavung durch den Kommerz unterworfen. Und dort wird sie bleiben und elendig vor sich hin leiden, in dem neuen perfekt designedten Gebäudekomplex mit den perfekten millimetergenauen Türen mit ihren perfekten Türgriffen, durch die jeden Tag die perfekten Mitarbeiter ein- und ausgehen. Und genau solche perfektions-erzwungenen Produkte wird das Unternehmen weiter hervorbringen.

Was ich sehr schade finde, denn im Grunde fehlt der Welt genau dieses bunte Apple von damals. Vielleicht war es aber auch nie das wofür ich es mal gehalten habe.

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