Hexenverfolgung in Wernigerode

Aufschrift:

„Die Stadt Wernigerode gedenkt aller Frauen und Männer, die im Zuge der Hexenverfolgung unschuldig gefoltert und/oder hingerichtet wurden“

Aus der Zeit zwischen 1521 und 1708 sind 59 Gerichtsprozesse in Stadt und Grafschaft Wernigerode wegen des Vorwurfs der Hexerei, Zauberei und „Teufelsbuhlschaft“ bekannt. Im ehemaligen Amtshaus wurden die vermeintlichen Hexen inhaftiert, „in Güte“ befragt und teilweise auch gefoltert. Sogenannte „Peinliche Befragungen“ unter Folter führte man in der Alten Kanzlei auf dem Schloß zu Wernigerode durch. Hinrichtungen fanden auf dem Galgenberg, einige auch auf dem Marktplatz statt. Nach diesen Prozessen wurden 15 Männer und Frauen – aus heutiger Sicht unschuldig – wegen Hexerei und „Teufelsbuhlschaft“ hingerichtet, weitere wegen schwerer Verbrechen und Mord. Die Urteile wurden nach damals geltendem Recht von unabhängigen Schöffengerichten gefällt. Die Inquisition spielte keine Rolle. Das letzte Todesurteil gegen eine vermeintliche Hexe wurde in Wernigerode im Jahr 1609 gefällt.

Ich glaube das jedes Unrecht solange in einer nicht-manifesten Form erhalten bleibt und weiter wirkt, bis es vollständig adressiert und die Opfer gewürdigt wurden. Egal ob das nun 2 Tage, 50 Jahre oder 400 Jahre sind. Die zeitliche Dimension spielt da keine so große Rolle.

Bei einer Spinnenphobie, bei Klaustrophobie oder einer Flugangst scheint dem Betreffenden noch klar zu sein, dass das Objekt im Äußeren nur ein Auslöser ist und eigentlich nichts mit dem eigenen Gefühl der Angst zu tun hat. Aber bei Xenophobie scheint dieser rationale Filter nicht mehr vorhanden zu sein.

Scheinbar hat jede Gesellschaft und jede Zeit ihre blinden Flecken.
Wenn ich die frühere Propaganda der DDR gegen den imperialistischen Westen sehe, ist das auch irgendwie Xenophobie. 1A Feindbild. Eingesperrt und gefoltert wurden dann die „eigenen Leute“ die sich dem Image des sozialistischen Heile-Welt-Staates widersetzten. Die Propaganda der USA zur Zeit des Kalten Kriegs gegen den Ostblock und gegen den Kommunismus war das selbe in grün… eine kollektive krankhafte Angst vor einem anderen Gesellschaftssystem. Und Hitlers Hass auf die Juden ging soweit, dass er sie alle vernichten wollte und das obwohl doch angeblich seine blonden, blauäugigen Arier so eine überlegene Rasse gewesen sein sollte.

Aus diesem Grund finde ich es gut, dass die Stadt Wernigerode nun doch noch wenigstens diese Gedenktafel aufgestellt hat. Auch wenn die persönliche Verbindung dahin weit entfernt scheint, kann das Geschehen um die Hexenverfolgung im Mittelalter daran erinnern uns nicht durch Angst motivieren oder manipulieren zu lassen. Das geltende Recht wurde damals wie heute, irgendwann einmal von irgendwem „geltend“ gemacht.
In 400 Jahren wird das Jahr 2017 genauso altertümlich, verdreht und wirr daher kommen, wie heute das Mittelalter. Wenn das nächste Mal ein neues Überwachungsgesetz beschlossen wird, Freiheitsrechte eingeschränkt werden, irgendeine Religion als bedrohlich stilisiert wird, ein Machthaber sich eine Demokratie zur Diktatur umbaut, oder ein offenkundiges Unrecht „alternativlos“ gemacht werden soll… ruhig mal an die Hexenverfolgung denken.

Na? Wer legt sich bei der nächsten USA-Reise einen Koran ins Handgepäck? Just for the kicks…

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